Adolf Bleichert & Co.

Adolf Bleichert & Co. Seilbahnen Firmengeschichte

Die Adolf Bleichert & Co., oft auch Adolf Bleichert & Co., Fabrik für Drahtseilbahnen, Leipzig – Gohlis genannt, war ein insbesondere im Seilbahnbau für Material- und Personenbeförderung tätiges und weltweit bekanntes Unternehmen mit Sitz in  Leipzig – Gohlis (Sachsen).

In den Betriebsteilen in Leipzig-Gohlis und Leipzig-Eutritzsch wurden Drahtseilbahnen, Krane, Schiffsverladeanlagen, Elektrohängebahnen, Lagerplatzbrücken und Elektrofahrzeuge hergestellt.

Das ehemalige Betriebsgelände in Leipzig-Gohlis steht seit 1993 unter Denkmalschutz (siehe Liste der Kulturdenkmäler in Gohlis-Mitte) und wird derzeit, d.h. seit 2015 in ein Residenz (Loft) und Büroviertel umgebaut.

Link: Wikipedia – Bleichert & Co. –  Youtube: Bleichert & Co.  Map:  Lützow Str. / Wilhelm-Sammet Str. – Leipzig-Gohlis  Stadtkarte:  Stadtplan Leipzig (Gohlis – Eutritzsch)

 

Adolf Bleichert (* 31. Mai 1845 in Dessau; † 29. Juli 1901 in Davos) war ein deutscher Wegbereiter des modernen Seilbahnbaus und Gründer der Adolf Bleichert & Co. Fabrik für Drahtseilbahnen Leipzig-Gohlis, der später weltweit größten Seilbahnfabrik (A. Bleichert – Denkmal) des 20. Jahrhunderts.

Adolf Bleichert wurde am 31. Mai 1845 als zweites und einziger Sohn von acht Kindern des Gohliser Müllers (Mühlenpächter) August Bleichert und dessen Frau Wilhelmine Henriette in Dessau geboren, wuchs aber in Gohlis auf, dem heutigen Stadtteil von Leipzig.

Er studierte am Königlichen Gewerbeinstitut, einem Vorläufer der Technischen Universität Berlin. Nach ersten Stellen bei einem auf Mühlenbau spezialisierten Unternehmen in Bitterfeld und einer Maschinenfabrik und Eisengießerei in Schkeuditz gründete er 1874, zusammen mit seinem Studienfreund Theodor Otto, das Ingenieurbüro für Drahtseilbahnen, deren erster Erfolg der Bau einer Materialseilbahn in Teutschenthal war.

Bald darauf errichteten sie eine Materialdrahtseilbahn für die Sayner Hütte der Firma Krupp. Otto trennte sich 1876 von Bleichert und arbeitete mit dem Siegener Seilbahnpionier Julius Pohlig (dieser Seilbahnbauer wurde aber 1914 von der Adolf Bleichert & Co. mehrheitlich übernommen) zusammen, der Seilbahnen für den Einsatz beim Kohle- und Erztransport in Bergwerken entwarf.

Adolf Bleichert gründete daraufhin um 1881 mit seinem Schwager, dem Kaufmann Peter Heinrich Piel, die Adolf Bleichert & Co., Fabrik für Drahtseilbahnen, Leipzig-Gohlis, mit der er die Grundlagen für den Bau von Luftseilbahnen entwickelte und erfolgreich in die Praxis umsetzte.

Bereits bis 1890 hatte das Unternehmen weit mehr als 600 Seilbahnen gebaut, welche dann bis nach 1932 auf über 5.000 Materialseilbahnen und Personenseilbahnen, die sowohl in Europa, aber auch in der ganzen Welt errichtet worden sind, steigen sollte.

Bleichert Werke (Industrie- und Fertigungsanlagen) gab es unter anderem, außer am Hauptstandort in Leipzig-Gohlis, auch in Neuß a. Rhein, dort wurden die Eisenkonstruktionen hergestellt, in  Leipzig-Eutritzsch, hier handelte es sich um das 2. Hauptwerk der Firma Adolf Bleichert & Co., sowie in Lichtenegg bei Wels in Oberösterreich.

Ausserdem hatte die Firma Adolf Bleichert & Co. mehrere Ingenieurs- und Verkaufsbüros und Repräsentanzen, sowohl in Deutschland , so z.B. in Berlin und Düsseldorf, Beuthen, Saarbrücken, Hamburg, Hannover, Magdeburg, Denzig und Bremen, als auch im Ausland, wie z.B. in Wien (Österreich), Paris (Frankreich), Bruxelles (Belgien), London (Great Britain), Budapest (Ungarn), Mailand (Italien) und anderen Ländern, aber auch Lizenzvereinbarungen in den USA mit der Firma Trenton Iron Works , New Jersey (American Steel & Wire Company). Siehe dazu auch Bericht unter PDF: Iron & Steel – Trenton Iron Works (by C. Zink).

Adolf Bleichert starb leider schon im Alter von 56 Jahren während eines Kuraufenthaltes in Davos. Er wurde auf dem Friedhof Leipzig-Gohlis beigesetzt (A. Bleichert – Grabmal). Er hinterließ eine Familie mit acht Kindern und ein schon florierendes industrielles Seilbahnwerk. 

Sein Unternehmen wurde dann von seinen ältesten Söhnen Max von Bleichert und Paul von Bleichert, die als Mitinhaber und Geschäftsführer agierten und durch anfängliche Unterstützung bzw. Beirat im Vorstand durch Konsul Gustav Tiedemann (Schwiegervater von Max von Bleichert), selber industrieller Unternehmer (Fa. Carl Tiedemann Speziallacke, Dresden, heute Herlac Coswig GmbH Teil der Mipa-Firmengruppe), erfolgreich weitergeführt und zu einer Weltfirma ausgebaut.

Während des Ersten Weltgriegs konnte sich die Firma als wichtiger Lieferant von Feld- und Bergseilbahnen für die deutsche Nation erweisen, war aber anschliessend auch sehr stark im  Export bzw. Auslandsgeschäft vertreten. Dazu wurden im laufe der Jahrzente hunderte von eigenen, durch die firmenintere Forschungs- und Entwicklungsabteilung, welcher dutzende von Ingenieuren angehörten, als auch erworbene technische Patente, erstellt.  Diese machten es möglich, daß die Firma Adolf Bleichert & Co., durch die Einführung neuer Sailbahnsysteme und Exzenter-Kupplungsvorrichtungen, nicht nur Materialseilbahnen verbesserte, sondern auch das moderne, heute noch gültige, Personenseilbahnsystem  – nach ihm auch als Bleichert’sches Drahtseilbahn System (BDS) benannt – eingeführt und in der ganzen Welt realisiert hat.  

Darüber hinaus war di Fa. Adolf Bleichert & Co. auch in der Entwicklung von Elektrokarren und elektrisch angetriebenen Lasten- und Personenwagen tätig, mit dem Ergebnis, daß sie als Erste einen elektrisch angetriebenen und durch Gewichtsverlagerung gelengten Lastenwagen, dieEidechse“  im Jahre 1926 (Patentschrift  Patent_DE394682_1923_Bleichert&Co. Lenkeinrichtung für Kraftkarren vom 3. Juli 1923) auf den Markt brachten.

Link: Wikipedia – Adolf Bleichert   

Die von Adolf Bleichert in 1874 gegründete Firma entwickelte sich in den darauf folgenden Jahrzenten zu einem, nicht nur weltweit  führenden Untenehmen, sonden auch zu einer Unternehmensgruppe mit Filialen und Firmenvetretungen in Deutschland und im Ausland, die im laufe der Zeit unterschiedliche Firmenstrukturen annahm, um den Erfordernissen der Zeit gerecht zu werden.

Die bedeutendsten Abschnitte und Firmenbezeichnungen waren jene, wie unten aufgezählt:

 

1874 – 1876       Bleichert & Otto Ingenieur Büro  (Schkeuditz) 

1876 – 1881       Adolf Bleichert Ingenieur Büro (Leipzig-Gohlis)

1881 – 1927       Adolf Bleichert & Co. (Leipzig-Gohlis)

1927 – 1932       Adolf Bleichert & Co. Leipzig AG (Leipzig-Gohlis)

1932 – 1946       Bleichert Transportanlagen GmbH (Leipzig-Gohlis) (*)

1946 – 1950       Bleichert Transportanlagenfabrik (sowjetische) AG für Maschinenbau Leipzig (**)

1950 – 1953       Bleichert Abteilung der sowjetischen staatlichen AG „Transmarsch“ (SAG) Leipzig     

1953 – 1993       Bleichert Transportanlagenfabrik der Aktiengesellschaft “Transmasch” Leipzig (DDR) (***)

 

(*)  1933 Übernahme und Leitung von Seiten der Fa. Felten & Guilleaume Carlswerk AG aus Köln (die F&G war später, d.h. ab 1946 mehrheitlich durch den ARBED-Konzern beteiligt und gehörte seit 2004 zur Grupo ORMAZABAL bzw. ab 2012 ist sie Teil des spanischen Konzerns VELATIA).

(**) Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 von der Fa. Felten & Guillaume Carlswerk AG auch eine Bleichert Transportanlagen GmbH in Köln gegründet. Sie fungierte als „Abzweiger“ der schon in Leipzig bestehenden Bleichert Transportanlagen GmbH, die aber von der sowjetischen Besatzungsmacht sequestriert worden war. Die Gründung des kölner „Ablegers“ mit dem Firmennamen Bleichert Transportanlagen GmbH ist nicht mehr vollständig mit der leipziger „Mutterfirma“ in Verbindung zu setzen, daher wurde oben nur der zeitlich geschichtliche Ablauf in Ostdeutschland abgebildet.

Zur Verfollständigung sei erwähnt. Die Fa. Felten & Guillaume Carlswerk AG hatte bereits 1927 die Gesellschaft für Förderanlagen Ernst Heckel übernommen und 1933 auch die Firma Julius Pohlig AG (bei dieser war A. Bleichert & Co. seit 1914 Mehrheitseigentümer geworden) eingegliedert.  Die seit 1946 in Köln ansässige Bleichert Transportanlagen Westdeutschland GmbH ging 1962 in die neugegründete Fa. Pohlig-Heckel-Bleichert (PHB) ein. Im Jahr 1977 ganz an den ARBED-Konzern abgetreten, fusionierte 1980 die PHB Vereinigte Maschinenfabriken AG mit der Weserhütte AG (Otto Wolf Gruppe). Später, im Jahr 1988 ging die PHB bzw. auch PWH genannte Firma in die Hoesch Gruppe und 1992 in die Krupp-Hoesch Fördertechnik über. Seit 1998 firmiert sie als Thyssen – Krupp und seit 2002 als ThussenKrupp Fördertechnik. Die Seilbahnsparte wurde allerdings 1988 ausgegliedert (es entstand die PWH Anlagen und System GmbH) und letztendlich um 1994 wurde die Krupp-Seilbahnsparte eingestellt bzw. die technischen Seilbahnzeichnungen an die Fa. Doppelmayr verkauft. Das ist das Ende der Bleichert Unternehmensgeschichte.   (Zur Geschichte der PHB siehe auch einen SPIEGEL-Artikel aus 1984 PHB_SPIEGEL_1984).

(***) Die Bleichert Transportanlagenfabrik wurde nach 1954 als (Volkseigener Betrieb) VEB Bleichert Transportanlagen-Fabrik Leipzig benannt, ab 1980 wurde es ein Betrieb des VEB Schwermaschienenbaukombinat TAKRAF (TAgebergbau-Ausrüstungen, KRAne und Förderanlagen) Leipzig und 1990 bis zur Auflösung um 1993 zur (Bleichert) Verlade- und Transportanlagen GmbH umfirmiert (siehe hierzu auch Informationen zur Treuhandanstalt bezüglich der Auflösung, Umwandlung bzw. Privatisierung volkseigener DDR Betriebe nach 1990).   PDF:  Liste DDR Betriebe-Treuhandanstalt-Privatisierung (V)

Bemerkung:

Die komunistische Führung der ehemaligen DDR hat aus politischen Gründen nach 1959 den Firmennamen „Bleichert“ entfernen lassen, was aus historischer Sicht völlig unbegründet bleibt, gerade wegen den herausragenden unternehmerischen, aber auch sozialen und kulturellen Verdiensten der Familie (von) Bleichert. Daher kann diese typisch diktatorische Vorgehensweise eines totalitären Regimes, rückschauend betrachtet, nur als eine unsinnige bzw. unerklärliche und ungerechtfertigte Entscheidung gewertet werden.  Auch die Umbenennung der „Bleichert-Straße“ (so benannt von 1882 bis 1963) in Wilhelm-Sammet-Staße (1) vor bzw. längs des Fabrikgebäudes in Leipzig-Gohlis im Jahre 1962 ist als eine reine eingenmächtige Vergeltungsaktion der DDR-Diktaur gegenüber historischen Persönlichkeiten anzusehen, welche keinerlei sachliche Rechfertigung beinhaltet und daher verwerflich bleibt.  Noch gravierender ist die willkürliche bzw. schizophrenische Zerstörung des Bleichert – Denkmals (2) des Firmengründers Adolf Bleichert im Jahre 1950, welches 1908 liebevoll in Erinnerung und Wertschätzung an diese Persönlichkeit im Auftrag der Familie (von) Bleichert und den Werksangehörigen der Firma Bleichert & Co. errichtet worden war. Geschichtlich sollte festgehalten werden, daß das DDR-Regime dieses renomierte und weltweit führende Maschinenbauunternehmen, nur Dank der hervorragenden innovatorischen und pionieristischen Ingenieurleistungen von Adolf Bleichert & Co., weiterführen und ausnutzen konnte, ohne, daß es während der komunistischen Besetzung  bzw. Ausbeutung, eigene wesentliche Impulse und technologisch bedeutsame Entwicklungen beitragen konnte. Kurz gefaßt: Alles was hier geschaffen worden war, bestand bzw. besteht nur Dank des Erfinders und Begründers Adolf Bleichert und seinen Söhnen Max und Paul von Bleichert und der Adolf Bleichert & Co.!

 

(1) Die von Kurzsichtigkeit getragene Funktionärspolitik des DDR-Parteiapparats wurde zum Glück nach der Wiedervereinigung Deutschlands sukzessive aufgearbeitet und wo notwendig geändert. So gibt es in Leipzig, Stadtteil Gohlis, seit 2001 wieder eine „Bleichert-Straße“ (Stadtkarte 1), welche sich allerdings nicht in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Bleichert Fabrik befindet (Bleichertstraße in Leipzig-Gohlis)!

Ausserdem ist, in anbetracht der Verdienste von Adolf Bleichert, als herausragender industrieller Innovator und Unternehmer Deutschlands, auch in Berlin eine Strasse nach ihm seit 1933 benannt worden. Diese „Bleichert-Straße“ (Stadtkarte 2) befindet sich im Stadtbezirk Tempelhof, in der Nähe der Marienfelder Allee bzw. S-Bahn Berlin-Marienfelde (Bleichertstraße in Berlin).

(2) Eine vertieftere Beschreibung und Einschätzung des Bleichert-Denkmals findet man im Band „Adolf Bleichert und sein Werk“ (Seite 46-51), herausgegeben von Dr. Manfred Hötzel und Stefan W. Krieg (Gohliser Historische Hefte 8 – Sax  Verlag Beucha).

Anmerkung:

Darüberhinaus gibt es keine BLEICHERT Firma mehr, welche irgendeine faktische oder juristische Verbindung mit Adolf Bleichert & Co. bzw. seiner Entstehungsgeschichte, industriellen Entwicklung, unternehmerischen Leistungen und Weltruhm im Seilbahn- und Förderanlagenbau für sich in Anspruch nehmen bzw. nachweisen kann.

Jegliche Hinweise von Firmen, welche sich noch heute mit dem Namen BLEICHERT ausgeben, wie auch immer dieses zustande gekommen sein mag, auf die historische und pionierische Entwicklung und industriellen Errungenschaften von Adolf Bleichert & Co. sind nicht rechtens, aber nur irreführend.   Das es Ingenieur- und Maschinenbau Firmen gibt, welche den Namen BLEICHERT tragen möchten, kommt den Bleichert Nachfahren zwar zu ehren, aber es bleibt notwendig festzustellen, daß keinerlei andere historische Verbindung zu diesen besteht. Die (von) Bleichert Familie nimmt Abstand von solchen Firmen, die sich mit ihrem historischen Namen und Bezug schmücken wollen.

Weiter Informationen:  Daten & Fakten (Data & Facts)  Adolf Bleichert & Co Chronology

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Adolf Max von Bleichert (* 28. Mai 1875 in Schkeuditz ; † 24. Januar 1947 in Bad Sachsa) war ein deutscher Großindustrieller des Seilbahn- und Transportanlagenbaus. Gemeinsam mit seinem Bruder Paul von Bleichert leitete er das vom Vater gegründete Unternehmen Adolf Bleichert & Co. , Fabrik für Drahtseilbahnen Leipzig-Gohlis und entwickelte es zur weltweit größten Seilbahn- und Transportanlagenfabrik.

Link: Wikipedia – Max von Bleichert

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Max und Paul von Bleichert

Max Paul von Bleichert (* 14. Mai 1877 in Leipzig ; † 18. September 1938 in Zürich) war ein deutscher Großindustrieller des Seilbahn- und Transportanlagenbaus. Gemeinsam mit seinem BruderMax von Bleichert leitete er das vom Vater gegründete Unternehmen Adolf Bleichert & Co. , Fabrik für Drahtseilbahnen Leipzig-Gohlis und entwickelte es zur weltweit größten Seilbahn- und Transportanlagenfabrik.

Link: Wikipedia – Paul von Bleichert 

b/n

 

 

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Weitere Informatione und Hinweise auf der Webseite: Leipzig-Gohlis